BZ: "EINSEIFEN WIRD SCHWIERIGER" | 360° ENTERTAINMENT

"Einseifen wird schwieriger"

Berner Zeitung

14. April 2016

Das Weiterverschenken von Hospitality-Angeboten kann auf direktem Weg zu Korruptionsvorwürfen führen – muss es aber nicht. Wie die Lauberhornrennen mit dem erwarteten Rückgang umgehen wollen, erklärte Rudolf Zenhäusern am «360° Entertainment»-Anlass.

Knapp 7 Millionen Franken Umsatz, 25 Millionen Wertschöpfung in der Region, eine Werbeäquivalenz von 30 Millionen – die Internationalen Lauberhornrennen sind eine Riesenveranstaltung. Und als solche ist der dreitägige Event von Sponsoren abhängig, wie Josef Zenhäusern, verantwortlich für Marketing, Sponsoring und Kommunikation im OK Lauberhorn, am Anlass« 360° Entertainment» sagte. «Wir haben keine langfristige finanzielle Absicherung, sind aber gleichzeitig abhängig von SRF, von Swiss  Ski oder vom Bund.»


Nix mit «Anfüttern»

Und was hat das alles jetzt mit den Schlagwörtern «Compliance» und «Hospitality» zu tun? Können sich die Lauberhornrennen etwa mit einem VIP-Package im Girmschbiel wirklich strafbar machen? Denn ab Juli 2016 können von Amtes wegen nicht nur korrupte    
Amtsträger verfolgt werden, sondern auch Privatpersonen, die sich zum Beispiel einen     «gebührenden Vorteil» versprechen  lassen, ohne ihren Arbeitgeber zu informieren. Dies erklärte Dr. Urs Cipolat, Compliance-Group-Officer bei der Swisscom den Marketingfachleuten im Beau-Rivage-Hotel. Heisst konkret, es wird auch für die Sponsoring-Partner der Lauberhornrennen komplizierter, die VIP-Packages dann weiterzuverschenken.    Das «Einseifen» oder «Anfüttern» wird immer schwieriger. «Wir können jetzt sagen, das geht uns gar nichts an, wir sind meistens ausgebucht, wir verkaufen die Tickets ja», sagt Zenhäusern.  Aber auch die Lauberhornrennen haben natürlich Gäste, die sie direkt   einladen. «Unsere wichtigsten Sponsoren bekommen zum Beispiel einen Tisch als ‹in kind›, also als Kompensation», sagt Zenhäusern.


Keine Big Shots mehr
So oder so rechnet Zenhäusern damit, künftig weniger Hospitaliy-Angebote verkaufen zu 
können, speziell an halbstaatliche Firmen wie etwa die BKW. «Die Big Shots, also die Chefs der grossen Schweizer Firmen, werden uns künftig als Gäste fehlen.»
Denn dass sich diese einfach so ein Ticket für 600 Franken kaufen, bezweifelt Zenhäusern. «Wir werden wohl eher Hansi-Leutenegger-Leute oder eine Christa Rigozzi sehen». Auch ist er überzeugt, dass die Diskussion über das verschärfte Gesetz die Leute verunsichern wird.
Kompensieren will Zenhäusern dies, indem er vermehrt KMU anspricht. «Da habe ich eine Warteliste und mache mir weniger Sorgen». Freude bereite ihm natürlich, wenn der Sponsor grundsätzlich weniger Gegenleistungen wolle und schlicht mehr Geld investiere. Eine Umstrukturierung des Hospitality-Angebots kommt für ihn aber nicht infrage. Und Urs Cipolat empfiehlt volle Transparenz: «Eine elektronische Anmeldeplattform hilft, für alle das gleiche Angebot bereitzustellen.»