«EINE HALLE BRAUCHT EIN KLARES PROFIL» | 360° ENTERTAINMENT

«EINE HALLE BRAUCHT EIN KLARES PROFIL»

event Business Insider Special

28. Februar 2018

Felix Frei, Hallenstadion-Direktor seit 2007, ist auch Gründer und Präsident der VSSA, der Vereinigung der Schweizer Arenen und Eventhallen. Ein Gespräch über die Herausforderungen der Branche.

event.: Sie sind Initiant, Gründer und Präsident der VSSA, der Vereinigung der Schweizer Stadien und Arenen. Was ist Sinn und Zweck dieses Vereins?
Felix Frei: Es gab in der Schweiz bisher keinerlei Netzwerk von Stadionbetreibern. International gibt es einige solcher Vereinigungen. Unter anderem sind wir Mitglied der EAA European Arenas Association, in welcher extrem wertvoller Austausch stattfindet. Zur Gründung habe ich drei Kollegen aus der Szene kontaktiert, jene vom Letzigrund, vom Stade des Suisse und von der Vaillant Arena – es ging um
eine möglichst breite Abstützung der Stadiontypen. Wir haben den Verein gegründet und uns zum Ziel gesetzt, nur die bedeutendsten Sportstadien, Event- Arenen und -Hallen dabei zu haben. Das Potenzial liegt bei rund 50 oder 60 solcher Mitglieder – derzeit sind wir bei knapp 25. Das Bedürfnis ist dfinitiv vorhanden.

Welches sind aktuell die brennenden Themen der Branche?
Als Branchenverband wollen wir uns auch zu politischen Themen äussern und gewisse Vereinheitlichungen anstreben. Aktuell ist die Sicherheit ein grosses Thema – ausgelöst von den Terroranschlägen sind vor allem die Anforde­rungen der internationalen Künstler massiv gestiegen. Andere Themen sind betrieblicher Natur. Etwa der Umgang mit den Getränkepreisen der Bier­lieferanten, neue Möglichkeiten in der Technik. Weitere Themen, mit denen wir uns derzeit beschäftigen, sind unter anderem die Vor­- und Nachteile von Naming­Right­Partnerschaften – sowie neue digitale Bezahlungsmethoden, Cashless Payment.

An vielen Festivals und Event-Stätten kann man mittlerweile mit Karten zahlen – warum eigentlich im Hallenstadion noch nicht?
Ganz einfach: Beim Open Air ist man zwei Tage auf dem Platz, da herrscht kein Zeitdruck. Man kann das Essen auf den ganzen Tag verteilen. Bei uns jedoch ist Tempo alles – die Pausen dauern eine Viertelstunde, dann muss es passieren. Wir bräuchten ein System, das sämtliche Kartentypen auf Anhieb akzeptiert. Deshalb sind wir in Sachen Cashless bisher nicht Vorreiter. Bei Fussball­ und Eishockeystadien mit 80 Prozent Stamm­kunden macht Cashless aber durchaus Sinn – sogar mit eigenen Karten, auf
die man via Internet Geld laden kann. Das Hallenstadion hat abgesehen vom Eishockey keine Stammkunden, sondern viele Einzelbesucher. Da macht eine proprietäre Karte schon deswegen überhaupt keinen Sinn.

Auch ohne Cashless – das Hallen- stadion belegt seit Jahren den ersten Rang bei den Event-Arenen mit einer Kapazität zwischen 10 000 und 15 000 Zuschauerplätzen. Weltweit! Wie schaffen Sie das?
Das ausschlaggebende Kriterium ist hier der Markt Schweiz. International gesehen ist das Hallenstadion inzwischen eine gute mittelgrosse Arena. Im Konzert der ganz Grossen spielen wir nicht mit. Aber die Schweiz hat eine sehr starke Marktposition. Tickets sind fast nirgends so teuer. Auch die Qualität und Sicher­heit in der Schweiz ist ein Thema. Und die geografische Lage. Wenn grosse Künstler eine Europa­Tournee planen. Egal, ob sie von Ost nach West oder von Nord nach Süd fahren: Die Schweiz liegt fast immer am Weg.

Wie entwickelt sich der Markt und die Konkurrenzsituation innerhalb der Schweiz?
Der Venuemarkt Schweiz ist in den letzten Jahren viel kompetitiver gewor­den. Ein Hallenstadion mit seiner Grösse und Reputation gibt es definitiv nur eines. Aber Basel hat nach dem Umbau fast die gleiche Kapazität – und im mittleren Segment gibt es heute neu im Raum Zürich die Halle 622 und die Samsung Hall. Bald kommt das Zürcher Kongresshaus neu renoviert auf den Markt, und es gibt die Maag Halle – da stellt sich die Frage, wie wir uns in diesem strengen Wettbewerb positionieren können. Ich denke, als Halle muss man sich ein klares Profil geben. Wir als Grosshalle können nicht wie ein gemüt­licher Club daherkommen, sondern wir müssen uns mit unserer Grösse und unserem Technologievorsprung positionieren, auch mit unserer Verkehrs­anbindung und der Logistik für unsere Zuschauer und der Qualität generell.